Sonntag, 25. Januar 2015

Dinosaurier oder die Königin der Laubgehölze



Magnolie/Magnolia




Die Magnolie ist für mich eines der faszinierensten Laubgehölze. Wo sich die Magnolie  wohlfühlt belohnt sie die Menschen mit einem Blütenrausch. Das Besondere und zugleich Aparte ist, dass die tulpenähnlichen Blüten noch vor den Blattwuchs erscheinen und in mitunter leuchtenden Farben, zart und elegant den Baum einkleiden. Sie verleiht jedem Garten einen Hauch von Exotik. So ist es nicht verwunderlich, dass sich beim Anblick dieser Fülle erste Frühlingsgefühle einstellen, was ihr den Status "Königin der Laubgehölze" aus meiner Sicht zurecht einbringt.

Die Magnolie ist aber auch eine Dinosaurerin, denn sie blühte schon zu der Zeit, als es auf der Erde noch keine Bienen oder Hummeln gegeben hat. Käfer, die sich in die noch geschlossenen Blütenkelche zwängten, übernahmen zu der Zeit die Aufgabe der Bestäubung. Es gibt ca. 230 Arten, wobei die meisten Magnoliensorten in Asien vorkommen. Einige Arten sind allerdings auch in Nordamerika heimisch. Vermutlich wurde die Grande Dame der Ziergehölze vor der letzten Eiszeit auch in Mitteleuropa heimisch.

Magnolien sind für Chinesen das Symbol weiblicher Schönheit, Reinheit und Süsse. Dort wurde und wird sie übrigens nicht nur wegen ihrer Schönheit geschätzt: Mit ihren Blütenblättern wird Reis aromatisiert, in heißem Öl ausgebackene Magnolienblüten sind eine Köstlichkeit der chinesischen Küche. Und aus der Rinde der Magnolia officinalis, die das Alkaloid Magnocurarin enthält, wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin ein beruhigendes Tonikum hergestellt.

Mit dem Buddhismus kamen Magnolien im 7. Jahrhundert nach Japan. Sie fanden dort rasch Eingang in die Gartenkultur, in die Literatur und die Malerei.
Magnolien dienten seit alters her aber auch medizinischen Zwecken. Ein Extrakt aus der Rinde der Echten Magnolie (Magnolia officinalis) liefert ein Medikament mit stark belebender Wirkung.


In Nordkorea gilt die Magnolie (Sommermagnolie) als Nationalsymbol.

Die Grand Dame der Ziergehölze ist eine Kosmopolitin. Ihren Namen hat sie von der karibischen Insel Martinique mitgebracht. Der französische Botaniker Charles Plumier (1646–1704) entdeckte dort eine Pflanze, die bei den Einheimischen den Namen „Talauma“ trug. Plumier nannte sie zu Ehren von Pierre Magnol (1638–1715) Magnolia/Magnolie. Wie es sich für eine Königin geziemt, stellt sie eine eigene Pflanzengattung dar.

Mich hat dieses Wochenende die Magnolie als florales Gestaltungsmittel beschäftigt. Dabei wollte ich die Königin der Laubgehölze mit einigen Hofdamen in Form von weißen Ranunkeln vorfrühlingshaft in Szene setzen. Da uns der Winter noch fest in seinen Fängen hält, durfte er im Arrangement auch noch eine Rolle spielen und im Zusammenspiel mit den Blüten die nötige Spannung erzeugen, um den Kampf zwischen Frühlingserwachen und Winterzeit symbolisch darzustellen.

und so habe ich es gemacht:

Als erstes habe ich den Platanenzweig so auf den Tisch platziert, dass er stabil und sicher liegt. Die Korkenzieherhaselzweige habe ich an geeigneten Stellen eingeschoben. Dabei sollte ein Zweig mittig in die Höhe steigen. Die beiden anderen Zweige hatten die Aufgabe den Platanenast in seiner Ausprägung zu unterstützen.
Da sich alle Zweige Dank der Korkenzieher gut und stabil einfügen ließen, mussten sie nicht extra mit Draht fixiert werden. Die Ranunkeln bekamen einen frischen Anschnitt, die grünen Blätter wurden entfernt und in die vorbereiteten Vasen gesteckt. Schließlich wurde der Magnolienzweig angeschnitten, in die Vase gebracht und im Gesteck so platziert, dass er mit dem zentral angebrachten Haselzweig zu einer Einheit verschmelzen konnte. Die Ranunkelvasen platzierte ich so ans Gesteck, dass der Eindruck entsteht, die Frühlingsblüher strecken sich mit aller Macht zum Licht. Sie nehmen den "Kampf" gegen den Winter auf, um ihn zu besiegen, aber es wird noch um den Sieg gerungen.

Verwendete Materialen:

einen Magnolienzweig
drei Korkenzieherhaselzweige
einen interessant geschwungener Platanenzweig
7 Ranunkeln
8 lange schmale Glasvasen mit etwas breiterem Fuss

So ein Altargesteck kann viele Impulse setzen, und auf seine ganz eigene Art die Beiträge im Gottesdienst unterstreichen und/oder unterstützen. Meine Aufgabe sehe ich als erfüllt an:

  • wenn sich der Betrachter zum Träumen/Nachdenken eingeladen fühlt, 
  • wenn der Anblick des Gesteckes das Nachdenken unterstützt.
  • Wenn es einfach das Auge erfreut
  • oder wenn es den Rahmen schafft, den Gottesdienst entsprechend zu untermalen.

Schließlich möchte ich euch noch ein Gedicht vorstellen, das sich thematisch mit der Magnolienblüten auseinandersetzt.

Magnolienblüten



Magnolienblüten verleiten
beim Wachen ins Träumen zu gleiten,
Gedanken des Alltags zu meiden,
sich einfach am Schönen zu weiden.

Wie freut dich der Knospe Erfüllung
nach nächtlich versteckter Enthüllung,
Wie schmeichelt den Augen die Seide
der Blüten im taufrischen Kleide.

Magnolienblüten verleiten,
Erinnern an fahlgrauen Zeiten
durch Bilder vom Lenz zu ersetzen.
Schau hin und du weißt es zu schätzen!
 Verfasser: Ingo Baumgartner 

Habt eine schöne Woche! Herzlichst eure bjmonitas

PS: mit diesem Beitrag nehme ich bei Sonntagsfreuden teil

Kommentare:

  1. Wunderbares Arrangement!! Ich mag Magnolie sehr. Ein Altargesteck?? Dir einen schönen Montag! Herzlichst, Nicole

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    1. Moin, es freut mich, wenn dir mein Arrangement gefällt. Ja, es ist ein Altargesteck/ein Arrangement für den Altar. So etwas mache ich des öfteren für meine Kirchengemeinde. Ich wünsche dir auch einen wunderschönen Tag und vielen Dank für deinen Besuch bei mir! LG bjmonitas

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  2. Wunderschönes Gesteck! Was mich angeht, kannst Du Deine Aufgabe ruhig als erfüllt sehen, zumindest in den ersten drei Punktem (mit dem vierten kenne ich mich nicht aus). Ich liebe Magnoleinblüten, so viel wusste ich jedoch darüber nicht :-)
    LG Aldona

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    1. Danke dir Aldona! Ich wusste auch kaum etwas über die Magnolie und war erstaunt was so alles über sie zu erfahren gibt. Mich würde ja des weiteren interessieren ob man mit den Blüten und den Beeren färben könnte. Bin gespannt ob eine unserer Färberfreundinnen dieses Experiment wagt. LG bjmonitas

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  3. Von deinem Blüten-Gemälde bin ich wieder einmal ganz und gar begeistert - und als ich deine Gedanken und Motivationen dazu las, kann ich wie Aldona nur sagen: ja, 100% erfüllt!! Wirklich, als ob du ein Bild malst oder eine Skulptur entwickelst, so muten deine Blütenwerke an. Ein Anreiz, den Blick mal aus einer ganz andere Perspektive auf das Altargesteck zu werfen (bei uns doch mehr...robust). Toll, dass jemanden wie dich in der Gemeinde haben.
    Mach's gut, Birgit

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    1. Guten Morgen liebe Birgit, vielen Dank für das Lob. Es freut mich sehr, wenn dir/euch meine floristischen Arbeiten gefallen. Ich stimme dir zu, es sind tatsächlich Gemeinsamkeiten da zwischen dem hier und dem Arbeiten eines Malers oder Bildhauers. Es ist einfach sehr erfüllend, wenn sich dieses Gefühl einstellt, dass es einfach fließt. Es ist fast so, als ob die Materialen einem selbst sagen wie sie es gerne hätten....oh wei klingt das jetzt pathetisch. Ich kann das nicht anders beschreiben. LG bjmonitas

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  4. Magnolien sind in der Tat ganz bezaubernde Geschöpfe der Natur. Ich mag sie zu gern und hätte am liebsten einen großen alten Magnolienbaum vorm Fenster. Wunderbar find ich auch Deine Gedanken und das Gesteck dazu, toll gemacht.
    Liebe Rosaliegrüße

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    1. Ja Magnolien sind schon etwas Besonderes. Es war Glück, dass die Gärtnerei gerade Zweige im Geschäft hatte. Vielen Dank für das Lob und die lieben Worte. Es freut mich jedes Mal, wenn meine Kreationen Anklang finden. LG bjmonitas

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